Dr. Gerrit Keferstein
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COVID-19 ist immer noch das dominierende Thema in der Welt. Aus immunologischer Perspektive stellt sich immer mehr heraus, dass es individuelle Risikokonfigurationen des Immunsystems gibt, die die Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufes exponentiell erhöhen.

Diese Risikokonstellationen in der Immunsignatur sehen genauso aus wie die Immunsignaturen bei Diabetes, Übergewicht, Insulinresistenz und anderen entzündlichen Stoffwechselerkrankungen.

Die Harvard University hat in 2017 ein entscheidendes Paper veröffentlicht was genau beschreibt wie die stoffwechselbedingte, chronische Entzündung (Metaflammation) im Zentrum vieler chronischer Erkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Neurodegeneration, Übergewicht, Krebs und Autoimmunerkrankungen steht.

Diese Erkrankungen haben eine chronische Immunaktivität im Fundament.

Diese chronische Immunaktivät (vor allen Dingen eine Überaktivität des angeborenen Immunsystems) führt einerseits zu der chronischen Entzündung mit all ihren Kollateralschäden (Gefässschäden, Endorganschädigung), sie führt allerdings auch dazu, dass die Infektabwehr deutlich herabgesenkt ist. Und genau das sehen wir gerade bei COVID.

Für andere Viruserkrankungen wie der Influenza ist es schon lange bekannt, dass Immunsysteme mit einer chronisch-entzündlichen Immunsignatur weniger Kompetenz in der Infektabwehr haben. Bei COVID stellt sich auch immer mehr und mehr heraus, dass die metabolische Entzündung (Metaflammation) auch hier der zentrale Risikofaktor ist.

Ich habe im Januar mit der Stoffwechselforscherin Anje te Velde von der Universität Amsterdam lange darüber gesprochen, denn sie hat eine Serie fantastischer Paper zu diesem Thema publiziert.

Im Rahmen von COVID-19 hat sie das Paper „Severe COVID : NLRP3 Inflammosome Dysregulated“ veröffentlicht und geht damit genau in die entscheidende Argumentation rein. Die Immunsignatur bei chronischen Stoffwechselerkrankungen ist die gleiche wie bei schweren Verläufen von COVID-19.

Auch eine iranische Forschergruppe hat bereits im März 2020 diese Diskussion angeschoben, dass das NLRP3 Inflammosom bei den gefürchteten Zytokinstürmen auf die gleiche Weise dysreguliert ist wie bei chronischen Stoffwechselerkrankungen.

Das British Journal of Nutrition hat im September 2020 ein Paper veröffentlich was im Detail beschreibt wie chronische Stoffwechselfehlregulationen wie Insulinresistenz, hoher Blutzucker und hohe Blutfette zu einem schweren Verlauf beitragen.

Betrifft das nur Übergewichtige?

Nein. Übergewicht ist nur EINS der Symptome einer Metaflammation. Wir haben 10 Millionen Menschen in Deutschland mit Diabetes. Nicht jeder davon ist übergewichtig. Wir haben weitere 20 Millionen mit der Vorstufe (Pre-Diabetes). Wir haben also mindestens 30 Millionen Menschen in Deutschland (etwa 40%) mit einer Insulinresistenz.
Dr. Leo Pruimboom hat in den Profifussballligen Europas eine Studie durchgeführt die gezeigt hat, dass etwa 30% aller Profifussballer eine Metaflammation haben.
Eine grosse Anzahl von Studien zeigt immer deutlicher, dass Training und Bewegung als isolierte Maßnahme KEIN Schutz vor Metaflammation ist. Natürlich hat Bewegung einen positiven Effekt, allerdings kann Bewegung alleine es nicht kompensieren, wenn dem Körper Mikronährstoffe fehlen, man die falschen Makronährstoffe isst, wenn Umweltgifte die Entgiftungskapazität überwiegen und psychosozialer Stress zur Metaflammation beiträgt.

Unser Lebensstil prägt unser Immunsystem.

Unser Immunsystem ist ein ausgeklügeltes Gedächtnis was sich an unsere Gewohnheiten anpasst und versucht uns bestmöglich immunologisch zu navigieren. Unser westlicher Lebensstil führt zu immunologischen Gedächtnissen, die zu dem führen was wir als Krankheit bezeichnen.
Professor Eicke Latz von der Universität Bonn hat dazu ein fantastisches Paper geschrieben :
„The Western Lifestyle has lasting effects on metaflammation“
Mit allem was wir tun wirken wir auf unser Immunsystem und unser Immungedächtnis.
Und der westliche Lebensstil führt zu der Immunsignatur, die den grössten Risikofaktor für schwere Verläufe viraler Infektionen darstellt.

Was ist der Weg da raus?

Die Studienlage konvergiert eindeutig zu dazu, dass chronische Probleme chronische Lösungen brauchen. Anders : Es gibt nicht die eine Pille, die man einfach einwirft um 15 Jahre Fehlmanagement mit dem eigenen Körper sofort kompensieren zu können.
Wir sind biologische Organismen. Chronische Probleme brauchen chronische Lösungen. Ein Lebenswandel. Ein Perspektivwechsel!

Mit dem Perspektivwechsel Immunsignatur stellen wir exakt die AHA-Momente vor, die es benötigt um diesen Lebenswandel einzuleiten. Wir zeigen in Theorie und Praxis welche Lebensstilinterventionen wirkliche positive Effekte auf die Immunsignatur haben, so dass man nicht nur das Risiko für einen schweren Verlauf einer viralen Infektion senkt, sondern auch das Risiko für eine chronische Erkrankung senkt.