Malte Herberhold
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In mehreren Artikeln in den vergangenen Wochen, haben wir euch schon über die große Bedeutung einer so genannten Metaflammation aufgeklärt. Die Metaflammation ist ein Kunstwort aus den Begriffen Metabolismus (den Stoffwechsel betreffend) und Inflammation (Entzündung).

Sie beschreibt den Zustand stoffwechselbedingter Störungen, welche zu einer chronischen, niedriggradigen Entzündungslage führen. Diese wiederum gilt als Risikofaktor für diverse weitere Erkrankungen unter anderem für einen schweren Verlauf einer COVID 19 Erkrankung.

Ein bereits im vergangenen Jahr erschienener Artikel in der Fachzeitschrift „the lancet diabetes & endocrinology“ [1] hat nun noch einmal deutlich den Zusammenhang zwischen Stoffwechselgesundheit, Krankheiten wie Diabetes und Fettleibigkeit und deren Einfluss auf den Verlauf einer COVID19 Erkrankung beschrieben.

Bereits zu Beginn der Pandemie im Januar, kristallisierte sich ein Zusammenhang mit bestimmten Vorerkrankungen und einer COVID 19 Infektion bei chinesischen Patienten heraus.
Diabetes (20%), Bluthochdruck (15%) und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (15%) standen hier relativ schnell im Fokus der Wissenschaft.

Auch in der Folge zeigten Erhebungen in den USA, dass ca. 1/3 aller COVID-Positiven mindestens eine Grunderkrankung aufwiesen (auch hier am häufigsten Diabetes).
Noch deutlicher waren die Zahlen allerdings bei den besonders schweren Verläufen.
78% der intensivpflichtigen Patienten und sogar 94% der an COVID verstorbenen Patienten, hatten mindestens eine zugrunde liegende Vorerkrankung.

Im weiteren Verlauf der Pandemie zeigte sich bei der Krankenhaus-Aufnahme von COVID 19 Patienten in den USA, dass ca. 40% der Patienten einen Diabetes oder einen deutlich erhöhten Blutzuckerspiegel aufwiesen. Dabei zeigte sich, dass bei diesen Patienten die Sterblichkeit mehr als 4 mal so hoch war.

Diese Zahlen machen den enormen Einfluss von metabolischen Erkrankungen auf unsere Gesundheit deutlich.

Aus diesem Grund haben Experten aus den Bereichen Diabetologie und Endokrinologie mittlerweile eigene Behandlungsempfehlungen für an COVID 19 erkrankten Diabetikern veröffentlicht. [2]

Die Empfehlungen umfassen sowohl die Vorbeugung von Infektionen bei Patienten mit Diabetes sowie die Behandlung von an COVID 19 erkrankten Diabetikern in Krankenhäusern und Intensivstationen.

Auch ein erhöhter Body-Maß-Index (BMI), welchen immerhin 85% der Diabetiker aufweisen, stellt ein weiteres Risiko für COVID 19 dar.
Ein BMI von >40 kg/m² ist bei den Krankenhauseinweisungen aufgrund von COVID 19 sogar häufiger anzutreffen, als ein erhöhtes Lebensalter von über 75 j. 

Die mittlerweile existierenden Daten rund um den Globus zeigen, dass wir es hier nicht allein mit einem Kampf gegen eine virale Infektionskrankheit zu tun haben, sondern auch gegen die stetig wachsende Anzahl von Risikopatienten mit zugrunde liegenden stoffwechselbedingten Krankheiten wie Diabetes und Fettleibigkeit.


Auch der Autor des Artikels kommt zu dem Schluss, dass zukünftig deutlich größere Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Stoffwechselgesundheit zu verbessern.

Literatur:

[1] 2020 The Lancet Diabetes & Endocrinology; COVID-19: underlying metabolic health in the spotlight

[2] Practical recommendations for the management of diabetes in patients with COVID-19 ;Prof Stefan R Bornstein, MD ; Prof Francesco Rubino, MD; Prof Kamlesh Khunti, MD; Prof Geltrude Mingrone, MD; David Hopkins, MD; Prof Andreas L Birkenfeld et al