Kornelius Schaupp
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Verringerte Sauerstoffaufnahmefähigkeit (Vo2Max) als Risikofaktor

Im Vereinigten Königreich wurde im Frühjahr 2020 aufgrund der Abschirmmaßnahmen und Kontaktreduzierungen der Frage nachgegangen, inwieweit die Reduktion von körperlicher Aktivität das Risiko einer schweren Covid- 19-Erkrankung erhöht. Daraufhin wurde im Mai 2020 im Clinical Medicine publiziert, dass bereits ein geringer Anstieg der maximalen Sauerstoffaufnahme (VO2max) durch regelmäßige Bewegung in der Bevölkerung dazu führen kann, dass ein erheblicher Anteil der Hochrisikopatienten in eine niedrigere Risikokategorie verschoben wird. Das heißt für dich : Du kannst durch dein Handeln deine Risikogruppe ändern und verlassen!

Was ist die maximale Sauerstoffaufnahme überhaupt?

Die VO2max beschreibt den Weg des Sauerstoffs in unserem Körper und wie gut die einzelnen Bestandteile diesen nutzen. Vom Hals-Nasen-Rachenraum über die Lunge und Blutgefäße bis hin zu unserer Muskulatur in jede einzelne Zelle.

Fachlich ausgedrückt wird mit der VO2max die Leistungsfähigkeit des sauerstoffzuführenden (Atmungssystem), der sauerstofftransportierenden (Herz- Kreislauf-System) und der sauerstoffverwertenden (Skelettmuskulatur) Systeme zusammengefasst. Die maximale Sauerstoffaufnahme beschreibt somit den Weg des Sauerstoffs ab dem Einatmen bis zur Zelle.

Allgemeine Einflussfaktoren der VO2max sind die Genetik, das Geschlecht, das Lebensalter und auch das Körpergewicht. So nimmt die VO2max ab dem 30.-35. Lebensjahr um 1% pro Jahr ab. Aber keine Angst:

„Das Tolle an unserem biologischen Körper ist seine Anpassungsfähigkeit!“

Auf jeden Reiz reagiert unser Organismus mit einer Anpassung. So können wir Couch-Potato werden und/oder bleiben. Wir haben aber auch die Möglichkeit, durch Bewegung unsere VO2max zu verbessern!

Welche Faktoren bestimmen unsere VO2max?

Unter anderem bestimmen die Lungenventilation und Lungendiffusionskapazität, die Sauerstoffausnutzungskapazität und der Mitochondriengehalt der Muskulatur die VO2max.

Die Sauerstoffausnutzungskapazität ist abhängig von der Kapillarisierung der Muskulatur. Kapillare sind Blutgefäße. Diese lassen sich durch Bewegung bilden und erweitern sich! Je größer das Kapillarnetz ausgebaut ist, umso besser ist die Muskeldurchblutung und umso effektiver ist der Sauerstofftransport.

Was hat das Mitochondrium mit der VO2max zu tun?

Dazu müssen wir etwas tiefer in die Vorgänge unseres Organismus einsteigen. Die Mitochondrien sind ein wichtiger Bestandteil unserer Zelle. Dank einer hohen Anzahl an Enzymen spielt sich hier der größte Teil des Energiestoffwechsels der Zelle ab. Sie produzieren den größten Teil der Zellenergie auf aerober (mit Sauerstoff) Basis. Durch die Umwandlung von Kohlenhydraten und Fetten entsteht letztlich nutzbare Energie in Form des Adenosintriphosphat (ATP). Je mehr Mitochondrien in der Arbeitsmuskulatur zur Verfügung stehen und je größer die vorhandenen Mitochondrien sind, umso mehr Sauerstoff kann in der Muskelzelle verwendet werden.

Somit wandeln die Mitochondrien Sauerstoff, welcher über Atmungs- und Herz- Kreislauf-System in die Skelettmuskulatur kommt und dort (in der Zelle) auf die Mitochondrien trifft, in nutzbare Energie um. Diese Energie benötigen wir um uns bewegen zu können und zu existieren!

Wie schnell stellen sich Trainingserfolge durch regelmäßiges Bewegen ein?

Eine Verbesserung der VO2max ist durch ein 8-12 wöchiges Training um 15-25% möglich. Einen noch größeren Effekt hat die verbesserte prozentuale Ausnutzung der VO2max. Hierbei werden sozusagen keine neuen Wege gebildet, sondern die bestehenden werden besser genutzt. Diese Verbesserung durch Training liegt im Vergleich zur Verbesserung der maximalen Sauerstoffaufnahme bei 50-70%!

„Fängst du also heute an dich regelmäßig zu bewegen, hast du kurz nach Ostern bereits eine wesentliche Verbesserung deiner VO2max.“

Wie hängen diese Effekte mit unserem Immunsystem zusammen?

Im Jahr 2006 wurde veröffentlicht, dass die kardiorespiratorische Fitness (Herz und Atmung betreffend) umgekehrt mit Entzündungsmarkern assoziiert ist. Dies unterstreicht die Bedeutung regelmäßiger Bewegung. Denn zusammenfassend wurde festgestellt, dass ein Zytokin (IL-6) und Akutphasenproteine (CRP und Fibrinogen) unabhängig und umgekehrt mit einem direkten Maß für die VO2max assoziiert waren. (Schau dir dazu die Artikel „Mit Kälte auf Gipfelkurs zur Immunsignatur“ und „Metaflammation und Covid-19“ an). Die verbesserten kardiovaskulären Ergebnisse von Personen mit regelmäßiger Bewegung können auf ein günstiges Entzündungsprofil zurückzuführen sein. Einfach ausgedrückt: VO2max erhöht sich, Entzündungen reduzieren sich – und deine Immunsignatur verändert sich zum Positiven.

Im Alter hängen die VO2max-Werte ganz eng mit den T-Zellen und deren Funktion zusammen. Dazu empfehle ich dir den Artikel „Unser Darm und die Immunsignatur“ von Malte Herberhold. Zudem konnte aktuell festgestellt werden, dass eine gute Ausdauerleistung das Risiko für schwere virale Infektionen um 25% reduziert.

Auch die Wirkung und der Erfolg einer Impfung ist u.a. abhängig von regelmäßiger Bewegung. 2009 wurde am Beispiel der Influenzaimpfung festgestellt, dass sich der Impferfolg durch Sport erhöhen kann.

Du siehst, es gibt zahlreiche Gründe, warum es sinnvoll ist – und in dieser Zeit besonders clever – deine VO2max durch regelmäßiges Training zu verbessern! Willst du mehr zum Thema Bewegung oder der Optimierung deiner Immunsignatur wissen, dann bist du bei uns und unserer Initiative genau richtig.

Literatur:

DOI:10.7861/clinmed.2020-0111. COVID-19 – does exercise prescription and maximal oxygen uptake (VO2 max) have a role in risk-stratifying patients? COVID-19 RAPID REPORT Clinical Medicine 2020 Vol 20, No 3 May 2020. Author: Irfan Ahmed

J Appl Physiol 102: 1374 –1379, 2007. First published December 14, 2006; doi:10.1152/japplphysiol.01028.2006. Markers of inflammation are inversely associated with V ̇ O2 max in asymptomatic men Iftikhar J. Kullo, Mahyar Khaleghi, and Donald D. Hensrud

High levels of aerobic fitness are associated with fewer senescent T-cells and a lower prevalence of latent cytomegalovirus infection in healthy men
N.H. Agha, A.B. Bigley, G. Spielmann, E.C. LaVoy, M. Pistillo, H.E. Kunz, M. Hussain, R.J. Simpson. https://doi.org/10.1016/j.bbi.2014.06.195. Brain, Behavior, and Immunity. Volume 40, Supplement, September 2014, Page e51

High fitness levels, frequent sauna bathing and risk of pneumonia in a cohort study: Are there potential implications for COVID-19?
Setor K Kunutsor , Jari A Laukkanen. PMID: 33426640 DOI: 10.1111/eci.13490. Eur J Clin Invest, 2021.