Über Frau Prof. Dr. Brigitte König

Expertin für Mikrobiologie & Infektionsimmunologie

hat Biologie, Chemie und Medizin studiert, sich im Fach „Medizinische Mikrobiologie und Infektionsimmunologie“ habilitiert und ist stellvertretende Direktorin des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Infektionsepidimiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Außerdem gehört sie als externe Professorin dem Lehrstuhl der Medizinischen Fakultät an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg an. Mehr über Frau Prof. Dr. König finden Sie unter http://www.mmd-web.de/index.html

1:18 Endosymbiontentheorie

Unsere Mitochondrien haben nicht das gleiche genetische Material wie unsere körpereigenen Zellen. Die „Endosymbiontentheorie“ besagt, dass Urbakterien, welche Sauerstoff in Energie umwandeln (aerobe), mit unseren nicht Sauerstoff verstoffwechselnden Zellen (anaerobe) eine Symbiose gebildet haben. Daraus haben sich diese Bakterien in unsere Mitochondrien umgewandelt. Hier gilt zu verstehen, dass unsere Mitochondrien immer noch nicht Teil unserer DNA sind, sondern eine eigene Lebensform, die mit uns zusammenarbeitet und -lebt. Wir sind auf sie angewiesen und sie auf uns. Ohne Mitochondrien sind wir nicht lebensfähig, da wir nicht genug Energie produzieren könnten um am Leben zu bleiben. Ein gesunder Mensch braucht gesunde Mitochondrien sowie gesunde Mitochondrien einen gesunden Menschen brauchen.

2:20 Mitochondrialer Funktionsabfall

Wir Menschen sind sehr anpassungsfähig und daher auch sehr leidensfähig. Je gesünder der Mensch und seine Mitochondrien sind, desto Anpassungsfähigkeit ist er. Diese Spezialfähigkeit macht es auch schwer einen Funktionsabfall der Mitochondrien zu bemerken.

Da wir Energie zum Leben benötigen, ist es wichtig, dass unsere Mitochondrien gesund sind und Energie produzieren. Wir müssen verstehen, dass uns die Energie nicht einfach so zufliegt sondern, dass diese auch gewonnen werden muss. Gesunde Mitochondrien produzieren und regulieren die Energie in unserem Organismus sehr viel effizienter.

4:21 Immunsystem Funktion1

Was haben unsere Mitochondrien mit unserem Immunsystem zu tun? Es braucht wie alle anderen Mechanismen im Körper auch Energie. Wenn wir nun keine gute Energieproduktion und -regulation haben, ist die Leistungsfähigkeit unseres Immunsystems eingeschränkt.1

Durch Energie können sich die T-Zellen leichter vermehren um somit schneller eine “Armee” für das Immunsystem aufzubauen. Wie in Barracks to Battlefields2 beschrieben, sollte der Rekrutierungsprozess möglichst schnell gehen. Wichtig ist allerdings auch, dass nachdem diese Armee eingesetzte wurde, um das Pathogen zu vernichten, sie wieder in die Baracken zurückkehrt. Wenn sie das nicht tut, weil die Mitochondrien die Armee nicht mehr regulieren können, kommt es zu einem Zytokinsturm,3 was bedeutet, dass die Armee anfängt unkontrolliert Schaden anzurichten. Dieser Vorgang kann zu chronischen Krankheiten führen.

Im Optimalfall sollte unser Immunsystem mit Hilfe der Mitochondrien in der Lage sein, schnell eine große Armee aufzubauen, das Pathogen zu vernichten und sich schnell wieder zurückzubilden.4

8:20 Chronische & Neurodegenerative Erkrankungen5

Eine gestörte Energieproduktion in der Zelle bedeutet einen Abfall der Leistung oder Gesundheit des Gewebes.5 Nervengewebe (Nervenzellen) oder zum Beispiel Herzmuskelgewebe (Herzmuskelzellen) brauchen eine Vielzahl von gut funktionierenden Mitochondrien um ihre Arbeit aufrecht zu erhalten. Ein verschlechterte Energieproduktion und -regulation in diesen Zellen führt dazu, dass Zellgebilde wie Nervengewebe oder die Herzmuskulatur einen Leistungsabfall verzeichnen. Darauf folgen auf Dauer chronische oder neurodegenerative Erkrankungen aufgrund einer schlecht funktionierenden Energieproduktion der Mitochondrien in den einzelnen Zellen.5

9:33 Pandemie in der Pandemie6

Wir sehen also, dass die Mitochondrien und deren Gesundheit oder Leistungsfähigkeit genau in der Schnittstelle zwischen den chronischen & neurodegenerativen Krankheiten6, sowie den von pathogenen (Viren, Bakterien und Pilzen) ausgelösten Krankheiten, die von außen auf uns wirken, stehen. Alles hängt von unseren Mitochondrien und deren Energieproduktion und -regulierung ab.

10:01 Was ist gut und schlecht für meine Mitochondrien?7

Wir Menschen leben extrem unextrem. Dadurch entstehen viele Probleme, da wir für ein solches Leben nicht gemacht sind. Wir sind für kurze intensive Stresssituationen mit langen ausgedehnten Ruhesituationen gemacht. Dauerhafter subtiler Stress, der nicht in Form von Bewegung oder Kälte abgebaut wird, führt zu einem Schwelbrand in der Zelle.7

Unsere Zellen reagieren auf Stress immer mit der gleichen Reaktion: mehr Energie produzieren als wir brauchen, denn diese Energie wird bestimmt in den nächsten Minuten benötigt um das Überleben des Organismus zu sichern.

Das ist allerdings bei einem Bürojob nicht der Fall. Es ist bei den meisten Berufen nicht der Fall. 

11:39 Mitochondriale Stressantwort

Mitochondrien produzieren immer nur so viel Adenosinetriphosphate (ATP oder Energie) wie sie bzw. die Zelle benötigen. Die Überproduktionen von Energie, die nicht benötigt wird, macht keinen Sinn, da dass abbauen dieser Energie ebenfalls Energie kostet. Eine Energieüberproduktion kann nur in einem bestimmten Szenario stattfinden, nämlich wenn wir uns in einer bedrohlichen Situation befinden. Die Mitochondrien schauen in den Zellen nicht wie viel ATP (Energie) gerade benötigt wird, sondern sie produzieren sie einfach. Da wir es uns nicht leisten können während dem Kampf oder der Flucht mit dem Löwen keine Energie mehr zu haben und es schwer abzuschätzen ist wie viel Energie benötigt wird, existiert dieser Mechanismus. Es ist die einzige Ausnahme, in der die Mitochondrien in der Zelle mehr Energie produzieren wie die Zelle benötigt. Durch diesen Mechanismus sind wir überhaupt erst bis ins 21. Jahrhundert gekommen. Hätten unsere Zellen und unsere Energiebereitstellung nicht diesen Möglichkeiten, währen wir schon vor tausenden von Jahren ausgestorben.

14:10 EMOTIONEN

Im 17. Jahrhundert aus dem Französischen émotion vom Lateinischen movēre latin from Proto-Indo-European *mew- (“to move”)

1.         Breda, C. N. de S., Davanzo, G. G., Basso, P. J., Saraiva Câmara, N. O. & Moraes-Vieira, P. M. M. Mitochondria as central hub of the immune system. Redox Biology vol. 26 (2019).

2.         Dhabhar, F. S., Malarkey, W. B., Neri, E. & McEwen, B. S. Stress-induced redistribution of immune cells-From barracks to boulevards to battlefields: A tale of three hormones – Curt Richter Award Winner. Psychoneuroendocrinology 37, 1345–1368 (2012).

3.         Tisoncik, J. R. et al. Into the Eye of the Cytokine Storm. Microbiology and Molecular Biology Reviews 76, 16–32 (2012).

4.         West, A. P., Shadel, G. S. & Ghosh, S. Mitochondria in innate immune responses. Nature Reviews Immunology vol. 11 389–402 (2011).

5.         Witte, M. E., Mahad, D. J., Lassmann, H. & van Horssen, J. Mitochondrial dysfunction contributes to neurodegeneration in multiple sclerosis. Trends in Molecular Medicine vol. 20 179–187 (2014).

6.         Saleh, J., Peyssonnaux, C., Singh, K. K. & Edeas, M. Mitochondria and microbiota dysfunction in COVID-19 pathogenesis. Mitochondrion vol. 54 1–7 (2020).

7.         Hotamisligil, G. S. Inflammation, metaflammation and immunometabolic disorders. Nature vol. 542 177–185 (2017).